Peter Voellmy

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Pressekommentare

Nachtwächter

Nachtwächter Peter Voellmy mit Hellebarde, Signalhorn und Laterne
von Hermann Rauber 1.4.2015 Aargauer Zeitung

Beim Streifzug durch das mittelalterliche Aarau erzählt Nachtwächter Peter Geschichten von liebestollen Mägden, einsamen Henkern und dem gefürchteten Haldentier. Ein Rundgang mit Gesangseinlage

Aarau hat wieder einen Nachtwächter. Natürlich nicht in der Realität, sondern als Begleiter einer Reise in die Vergangenheit. Der Schauspieler und Regisseur Peter Voellmy hat diese Marktlücke entdeckt und bietet jetzt solche «Rundgänge» durch die «mittelalterlichen Gassen» der Stadt an. Angetan in einem historischen Gewand und versehen mit Hellebarde, Signalhorn und Laterne, nutzt Voellmy sein mimisches Talent und erzählt auf amüsante Weise wahre und erfundene Anekdoten, Geschichten und Geschichte aus früheren Zeiten.

Den Kopf verdreht
«Folget dem Licht!», so Voellmys Aufruf von Station zu Station. So erfährt der geneigte Wanderer vor dem Oberturm vom «Aarauer Wunder der Liebe», als eines fernen Tages ein Häftling spurlos aus dem «Chefi» verschwunden war. Wie sich herausstellte, hatte er nicht umsonst der Tochter des Gefangenenwarts schöne Augen gemacht und damit die Zelle samt dem verliebten Mägdlein bei Nacht und Nebel unbehelligt verlassen können.
Damit entging der Sünder möglicherweise dem Scharfrichter, der in einem Haus in der Halde (heute Halde Nr. 46) wohnte und als «Unberührbarer» ein einsames Leben fristete. Er war auch zuständig für die Folterungen von Angeklagten, wie Voellmy anhand einer Daumenschraube drastisch vorführt. Den Abendschoppen dürfte der Scharfrichter gleich gegenüber auf der anderen Seite des Hiltbrandtores, im Wirtshaus «Zur wilden Sau», allerdings an einem separaten Tisch und getrennt von den übrigen Gästen, genossen haben.
Trällern beim «Chatzetörli»
Nur unweit vom Henker-Domizil treibt offenbar noch heute das Angst und Schrecken verbreitende Haldentier sein Unwesen. So steht es in der Sagensammlung von Ernst Ludwig Rochholz, die leider immer mehr in Vergessenheit gerät. Ebenso wie die mittelalterlichen Badesitten, die unseren modernen hygienischen Ansprüchen kaum genügten. Die Körperpflege fand meistens und in unregelmässigen Abständen in einer öffentlichen Badstube statt, wobei laut dem fabulierenden Nachtwächter sogenannte «Hübschlerinnen» zusätzlich für körperliches Wohlbefinden gesorgt haben sollen.
Wo sich Sauen suhlten
Natürlich darf auf dem Rundgang auch das «Chatzetörli» nicht fehlen. Dort kann man einen Eh-Graben besichtigen, der einst als «Brandmauer» zum Nachbarhaus, sehr bald aber auch als Kloake und damit als Aufenthaltsort für suhlende Sauen diente. Voellmy wäre nicht Voellmy, wenn nicht auch der Gesang zum Zuge käme. So intoniert die Schar auf Geheiss gemeinsam auch das alte Nachtwächterlied «Hört ihr Leut und lasst euch sagen», ehe die Reise über die Rathausgasse mit ihren bemalten Giebeln wieder zum Ausgangspunkt auf dem Holzmarkt führt.

Das nächste Mal ist «Nachtwächter Peter» am Samstag, 25. April, um 17 Uhr, unterwegs. Anmeldungen über aarau info. Falls ausverkauft: weitere Führung um 19 Uhr und am Sonntag, 26. April, 16 Uhr
(az Aargauer Zeitung)

 
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